Mission „Connichi“ – oder: Der etwas andere Messebericht

Donnerstag,  07:00 Uhr, Mannschaftsunterkunft München

Erster Gedanke beim Aufwachen: Verschlafen!
Geplantes Rendevous mit Simone und Nadine zwecks Bücherübergabe nicht am geplanten Ort zur geplanten Zeit durchführbar.
Eigentliche Abfahrtszeit: JETZT! Liegen immer noch im Bett. (Finde den Fehler…)
Panikstatus: durchschnittlich entspannt. Erstmal Kaffee.

Saskis Stimme aus dem Off: „Wir müssen nochmal zurück!“
Julia: „Mhm.. *grummel* Wieso?“
Saski:“ Ich hab was vergessen“
Julia:*evil Blick* WAS?!“
Saski: „*Blick funktioniert nicht* Meinen mp3-Player!“
Julia: „Vergiss es, dafür fahr ich doch nicht nochmal zu dir!“
Saski: „Aber ohne kann ich nicht einschlafen!“ (<~Musikjunky kann nicht ohne ihre Drogen…)

Donnerstag, 08:30 Uhr, irgendwo zwischen München und Fürstenfeldbruck

Simone am Telefon.
Julia: „Na alles klar?“
Simone: „Wir haben Bücher… viele Bücher.“
Julia: „Schön… habt ihr schon angefangen, sie ins Lager zu bringen?“
Simone: „Nein. Die müssen erst vom LKW runter.“
Julia: „Hä? Palette runter, fertig.“
Simone: „Nein… einzeln.“
Julia: „ …“
Simone: „Es gibt keine Rampe und keinen Hubwagen.“
Julia: Ô.o Wie viele Paletten?“
Simone: „3.“
Panikstatus: überdurchschnittllich steigend.

Donnerstag, 09:02 Uhr, Hauptquartier Fürstenfeldbruck

Ankunft am Verlagsbüro (mit einer Stunde Verspätung…)
Julia (linst in den LKW): „Das sind aber 4 Paletten, keine 3…“
Nadine (die schon vorher da war): „WIE?!“
Wir bilden eine Kette.
50 Meter Kette.
Zu fünft.
Es sind immer noch 4 Paletten, mit 3000 Büchern und 1,7 Tonnen.
Freude.

Donnerstag, 12:00 Uhr, Hauptquartier Fürstenfeldbruck

1,7 Tonnen Bücher im Lager verstaut.
Fußboden des Lagers wölbt sich.
Apotheke im Erdgeschoß stark gefährdet.
Praktikantin Anne hat Spaß.
Panikstatus: aufgrund von Sauerstoffmangel im Hirn nicht existent.
Operation „Hänger beladen“ wird eingeleitet.
Andere Bücher wieder nach unten.
Wir bilden eine Kette.
Überraschung!

Donnerstag, 12:30 Uhr, Hauptquartier Fürstenfeldbruck

Hänger gepackt, Simone mit selbigem auf die Straße geschickt.
Nächster Punkt der Mission: Amazon- und Händlerpakete packen.
Ablauf: Karton auf, jedes Buch mit einem Aufkleber versehen, Zettel rein, Karton wieder zu und in 31kg-Pakete verschnüren (im Cursed-Fachjargon auch „Kondomisierung“ genannt).

Donnerstag, 13:15 Uhr, Hauptquartier Fürstenfeldbruck

Händler-Pakete: Check!
Amazon-Pakete: Che… da ist ein Karton zu viel?! O.o
Anne zückt den Taschenrechner.
Die Zahlen stimmen.
Sondierung der Lage, allgemeine Verwirrung gefolgt von wildem Rechnen und Überprüfung der Gegebenheiten.
Einziger Ausweg: alle Kartons nochmal öffnen.
Panikstatus: Jenseits von Gut und Böse, die Uhr tickt und die Zeit rennt.
Zeitplan: Ach, hab‘ mich doch mal gern!
Termingerechter Aufbau in der Messehalle stark gefährdet.
Fehler im letzten (allerletzten!) Paket gefunden.
Frustration erreicht einen neuen Höchststand.
Neustart des Kondomisierungsvorgangs wird eingeleitet.

 

Donnerstag, 14:21 Uhr, Stadt Fürstenfeldbruck

Mitglieder der Terrorzelle CST (Cursed Side Team) fallen in der örtlichen Postfiliale ein.
Die Postbeamten bieten sich selbst als Geiseln, wenn wir alles wieder mitnehmen.
Wir lehnen ab.
Keine Gnade.
Game over, Post!

 

Donnerstag, 14:45 Uhr, vor der eingenommenen Postfiliale in Fürstenfeldbruck

Auf zur Autobahn! (Endlich…)
Mission „Connichi“ geht in die heiße Phase.
Kassel, wir kommen!

Donnerstag, 19:00 Uhr, irgendwo auf der Autobahn kurz vor Kassel

Anruf von Simone: „Bin gleich da!“
Julia: „Kommen wir noch in die Halle?“
Simone: „Klar, wenn ihr euch beeilt.“
Julia Bleifuß saust nach Kassel.
Ankunft an der Halle 19:45 Uhr (Schließung der Halle: 20:00 Uhr).
Operation „Hänger ausladen“ startet.
Der Gedanke an Nahrung und eine Schlafstatt drängt sich langsam, aber sicher auf.

Donnerstag, 21:50 Uhr, Temporäres Basiscamp Kassel-Niederkaufungen

Einfall in den örtlichen Supermarkt.
Versorgung mit Grundnahrungsmitteln (Nutella, Eistee, Fleisch).
Supermarktteam wirft uns böse Blicke zu.
Wir bekommen Sammelsticker. Saski und Anne sind im Himmel. Der Rest will ins Bett. Nach der Nahrungsaufnahme. Tag 2 in Folge mit Lasagne. Besuch beim Italiener wird in den nächsten Wochen vermieden.

Freitag, 11:30 Uhr, Krisenherd Stadthalle Kassel

Standaufbau durch das Brunch-vollgefressene Cursed-Side Team.
Erkenntnis des Tages: Voller Magen schränkt die Bewegungsfreiheit ein.
Zur Abwechslung mal reibungsloser Ablauf.
Panikstatus: entspannt, aber misstrauisch.

Freitag 14:01 Uhr, Krisenherd Stadthalle Kassel

Das Sondereinsatzkommando „CST-Messe“ erwartet, ausgestattet mit Namensschildern und geballtem Bücherwissen, seine Kunden.
Und wartet.
Und wartet…
*zirp zirp*
Prüfender Blick durch den Händlerraum.
Alle anderen stehen genauso dumm rum.
Logische (und äußerst scharfsinnige!) Schlussfolgerung: die Halle ist noch geschlossen.
Allgemeine Entspannung und Zersplitterung des Einsatzteams zur Verfolgung von Einzelmissionen (Toilettenbesuch, Klatsch- und Tratsch-Austausch mit den Kollegen, Suche nach dem Bubble-Tea-Stand…)

Freitag, 14:37 Uhr, Krisenherd Stadthalle Kassel

Öffnung der Halle mit mehr als 30-minütiger Verspätung.
Allgemeine Euphorie beim Cursed-Side Team.
Grund: Kundschaft!

Freitag 22:15 Uhr, Temporäres Basiscamp Kassel-Niederkaufungen

Nahrungsaufnahme abgeschlossen.
Lebenssysteme werden auf Standby heruntergefahren.

Samstag, 11:16 Uhr, Krisenherd Stadthalle Kassel (auch bekannt als die Vorhölle Mittdeutschlands)

Es ist heiß und stickig.
Die Luft steht.
Akuter Sauerstoffmangel.
Das Cursed-Side Team scharrt mit den Füßen.
Frauen sind im Anmarsch.
Bloß keine Angst zeigen (sie riechen das!).
Frauen im Kaufrausch.
Und sie wollen… Bücher.
Unsere Bücher!
Lasset die Spiele beginnen!

Samstag, 16:43 Uhr, Krisenherd Stadthalle Kassel (auch bekannt als ehemalige Vorhölle Mitteldeutschlands)

Es wird kühler.
Die Luft bewegt sich.
Man hat den Knopf für die Lüftung gefunden.
Entwarnung.
Es besteht keine akute Lebensgefahr durch Verdampfen mehr!
Das Bewusstsein erhebt sich wieder über das vegetative Nervensystem und Grundbedürfnisse machen sich bemerkbar (Nahrung, Wasser, ein Stuhl…).

Samstag, 21:50 Uhr, Temporäres Basislager Kassel-Niederkaufungen

Abendliche Mannschaftsversammlung, inklusive alliierter Gruppierungen.
Order eines Lieferservices gelungen.
Nahrungskonvoi wird in weniger als 30 Minuten eintreffen.
Das Überleben ist weiterhin gesichert.
Bedürfnis nach einer horizontalen Liegefläche wird übermächtig.

Sonntag, 10:15, Krisenherd Stadthalle Kassel

Die Klimaanlage läuft.
Die Zeit rennt (Ist denn schon wieder Sonntag? Und wenn ja… wie?!)
Startschuss zum Endspurt.
Panikkäufer belagern den Stand.
Wir schnallen uns Sprungfedern unter die Schuhe zur Erhöhung der Wendigkeit.
Eintreffen unseres VIP zur geheimen Signieraktion.
Müssen feststellen, dass diese nach Bewerbung nicht mehr ganz so geheim ist.
Erinnerung, dass dies beabsichtigt war.
Durchführung wird eingeleitet.

Sonntag, 15:15 Uhr, entschärfter Krisenherd Kassel Stadthalle

Kunden ziehen mit neuem Stoff versorgt zufrieden (und friedlich…) ab.
VIP muss vermutlich mit schmerzendem Handgelenk zur Not-OP ausgeflogen werden.
Sondereinsatzkommando CST ist erledigt, aber glücklich.
Operation „Standabbau“ wird eingeleitet.
Mission „Connichi“ erfolgreich beendet.
Zu beklagende Opfer: 23 Fingernägel, 12 Kratzer und blaue Flecken, 256 Nerven und ungezählte Haare (vom Raufen…).

Fazit: Connichi 2013, wir kommen! 🙂

Julias Reisetagebuch: Leipziger Buchmesse 2012

Teil 1

Mittwoch, 14.03.2012, 06:01 Uhr – Wenn der Tag schon gut anfängt…

Mittwoch, Tag der LBM-Anreise, sechs Uhr morgens, der Wecker klingelt. Mühsam quäle ich mich in die Senkrechte und tapse blind ins Bad, wo ich eine halbe Stunde lang versuche, einen Menschen aus mir zu machen, der nicht nur in ganzen Sätzen sprechen, sondern vor allem auch Autofahren kann. Gar nicht so einfach, wenn man eigentlich noch mitten in seiner zweiten Tiefschlafphase steckt.

Heute ist es also soweit: Es geht los zur Leipziger Buchmesse! Vier Tage Stress, Arbeit, Spaß, Gespräche, Treffen mit Kunden und Kollegen liegen vor uns. Unwirkliches Gefühl, vor allem wenn das Gehirn immer noch nicht so richtig funktionieren will.

Im Kopf versuche ich Ordnung in den Tagesablauf zu bringen. Ins Büro fahren. Bücherlieferung im Lager verstauen. Hänger packen. Simone mit selbigem auf die Straße schicken. Pakete für Amazon und die Händler zur Post bringen. Nach Leipzig fahren. Zwischenstopp bei IKEA. Schlüssel für die Unterkunft holen. Zur Halle fahren und den Stand aufbauen. Früh ins Bett gehen, um am Donnerstag ausgeschlafen zu sein.

Soweit der Plan. Und immerhin war ich diesmal schlau genug, meinen Koffer schon am Vorabend zu packen, um mir den Stress am Morgen zu ersparen. Nur noch schnell das Waschzeug rein und fertig. Nebenbei scheuche ich Lieblingsmitfahrerin und -helferin Nati aus dem Bett, die mindestens genauso begeistert von der Uhrzeit ist, wie ich.

Ich stecke gerade noch in den letzten Zügen meines Notfallplans, um das Unkraut auf meinem Kopf in so etwas ähnliches wie eine Frisur zu verwandeln, als das Telefon klingelt. An einem Mittwoch um kurz vor sieben. Mir schwant Übles.

Mit spitzen Finger nehme ich den Anruf an und Simones (für die unchristliche Uhrzeit widerlich fröhliche) Stimme schallt mir entgegen.

„Guten Morgen! Na, alles fit?“

Ich antworte mit einem undefinierbaren Brummlaut.

„Sehr schön! Und weißt du was? Unsere Bücher stehen vor der Tür.“

Bücher. Vor der Tür. Klar, war ja geplant. Ich überlege, ob Simone mich vielleicht auf den Arm nehmen oder einfach nur meinen morgenmuffeligen Zustand dazu nutzen will, mich ungestraft zu ärgern.

Mooooooment!

Ich werfe einen panischen Blick auf die Uhr und atme erleichtert wieder aus. Alles in Ordnung, ich habe nicht verschlafen, es ist erst sieben. Sieben. Aber der Termin der Spedition war um acht.

Nicht aufregen. Das ist nur eine Kleinigkeit und toll, dass die Bücher schon da sind. Alles in Ordnung, eine Tasse Kaffee und die Welt dreht sich weiter.

Ein bisschen Nörgeln ins Telefon kann ich mir allerdings doch nicht verkneifen, bevor ich Simone weiter gen Büro fahren lasse und zwei Geschwindigkeitsstufen schneller meine Sachen und Nati zusammenraffe, die an der Tür lauernden Katzen verscheuche und mich auf den Weg mache.

Ade, Kaffee, aber im Büro sehen wir uns ja wieder.

 

Mittwoch, 14.03.2012, 07:25 Uhr – Vom Unterschätzen der Dimensionen

Da stehen sie. Vier Paletten. 3572 Bücher. 330 Kartons. 1,7 Tonnen Papier.

Ich will nach Hause.

Warum hat mir niemand gesagt, wie viele Kartons das sein werden? Ok, ich hätte es mir natürlich ausrechnen können, aber irgendwie sind abstrakte Zahlen auf dem Papier deutlich weniger furchteinflößend als das Bild, das sich da vor mir auftut.

Ich komme spontan ins Grübeln, warum ich nochmal unbedingt Bücher machen wollte, habe aber unglücklicherweise keine Zeit, diesen Gedanken weiterzuführen – schließlich wollen wir heute ja noch auf die Straße.

 

 

 

 

 

 

 

 

Also packen wir zu dritt an und los geht’s. Während Nati und ich einen kleinen Eindruck erhalten, wie sich ägyptische Pyramidenarbeiter gefühlt haben müssen, spielt Simone Tetris im Hänger. Viel Ware, wenig Platz und ein kleines Gewichtsproblem. Es sollen ja nicht nur die Neuerscheinungen, sondern auch unser bisheriges Buchprogramm und die Merchandise-Artikel nebst 140 Kissen für unseren Händler-Partner ihren Platz finden.

Froh, mir darüber keine Gedanken machen zu müssen, suhle ich mich in der Stupidität der körperlichen Arbeit und versuche nachzurechnen, ob eine Geranienzucht als alternatives Geschäftsmodell vielleicht eine Möglichkeit wäre. Wir befinden uns jedoch leider immer noch in einstelligen Uhrzeitbereichen, weswegen ich mich schon sehr bald wieder lieber darauf konzentriere, nicht beim Laufen über meine Füße zu stolpern.

Ich hasse Bücher.

Eineinhalb Stunden, drei gestorbene Fingernägel und etliche Nerven weniger haben wir es dann geschafft. Die Bücher sind im Lager verstaut… oder vielmehr aufgetürmt. Wenn ich irgendwann einen spitzen Todesschrei, gefolgt von einem mörderischen Rumpeln aus den Untiefen des Raums höre, weiß ich, dass ich mir eine neue Geschäftspartnerin suchen muss…

Immerhin sind inzwischen auch ein Großteil der mitzunehmenden Kartons im Hänger verstaut, unsere Hausmeisterin wieder besänftigt und ich bekomme endlich eine Tasse Kaffee, damit ich mich aus der grobmotorischen Phase verabschieden kann.

Es ist inzwischen halb elf. Hm. Simone sollte seit einer halben Stunde auf der Straße sein. Aber gut, solange sie es noch vor zwölf schafft, kein Problem.

Während die fleißige Nati die Überreste unserer Palettenschlacht beseitigt, bekleben und verpacken Simone und ich Bücher für den Versand (Amazon lässt sich ja bekanntlich ab und an ein wenig Zeit mit dem Einbuchen der Ware).

Ich hasse Bücher. Wie war das noch mit den Geranien…?

 

Mittwoch, 14.03.2012, 13:30 Uhr – Die gelbe Gefahr ist überwunden

Simone sollte um zwölf auf der Straße sein. Ein bisschen muss ich über mich selbst lachen, dass ich tatsächlich dieser Illusion erlegen bin, während ich Jonas (das Auto) nun endlich auf die A9 in Richtung Leipzig lenke.

Die Postbeamten verfluchen uns. Haben sie vorher auch schon, aber jetzt bestimmt noch viel mehr. Ich wette, wir sind die einzigen, die immer mit zusammengeschnürten 31kg-Paketen ankommen. Vielen, zusammengeschnürten 31kg-Pakten. Auf einmal.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie auch Bücher hassen.

Ist nur leider nicht zu ändern, weswegen ich es wage, mich langsam ein bisschen zu entspannen und daran zu glauben, dass vielleicht doch noch alles gut wird. Immerhin haben wir alles dabei (außer Andrews Signierkarten, die leider nicht rechtzeitig bei uns angekommen sind), nichts vergessen, Franz (das Navi) weiß, wohin es geht und…

Mein Handy klingelt. Ich würde sehr gerne die Augen schließen und tief durchatmen, aber ich merke noch rechtzeitig, dass das auf einer vielbefahrenen Straße wohl keine gute Idee wäre.

„Na, seid Ihr gut losgekommen?“ Simone. Hä? Wir haben uns doch gerade erst vor einer halben Stunde getrennt.

„Ihr fahrt doch nachher zu IKEA… bringst du mir bitte einen Satz Bettwäsche und zwei Handtücher mit? Ich hab‘ irgendwie die Tasche zu Hause…“

Bringt es was, wenn ich den Kopf gegen das Lenkrad haue? Wahrscheinlich nicht. Also versichere ich, dass ich natürlich das Gewünschte besorge, überschlage im Kopf die viel zu knappe Zeit bis zur Ankunft und einige mich schließlich mit mir selbst darauf, dass ich es ohnehin nicht ändern kann.

Also widme ich mich lieber dem angeregten Gespräch mit Nati und beantworte brav alle Anrufe, wo wir denn sind und wann wir ankommen. Wenn ich das mal so genau wüsste…

Mittwoch, 14.03.2012, 19:10 Uhr – Der IKEA-Marathon erhebt sich zur olympischen Disziplin

Wir sind zu spät. Viel zu spät. Und ich schwöre, wenn ich noch ein einziges Mal einen Anruf oder eine SMS von jemandem bekomme, der mich fragt, wann wir denn endlich da sind, schreie ich.

Aber immerhin, Leipzig rückt in greifbare Nähe, die Hausmeisterin unserer Wohnung ist informiert und wir haben noch genug Zeit für IKEA…. der gerade schräg vor mir auftaucht.

„Oh, guck mal, da ist ja ein IKEA!“, stellt da auch Nati neben mir fest.

Ich nicke. „Ja, aber das ist noch nicht unserer… wir müssen noch ein bisschen weiter, bis zum Kreuz…“

Ahem. Wer mich kennt, weiß auch um meine überwältigenden Fähigkeiten in Sachen Orientierungssinn. Und eben diese haben gepaart mit fehlender Konzentration dazu geführt, dass ich mal eben ein bisschen auf der Karte verguckt habe. Ein bisschen sehr.

Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als zu wenden. Dreimal durch die Einbahnstraßen des Flughafens gegurkt und zurück in Richtung München. Ob es wohl auffällt, wenn ich einfach weiterfahre…?

Fünf nach halb acht parke ich Jonas und sprinte zusammen mit Nati in die heiligen Hallen der schwedischen Allzweckwaffe. Sage und schreibe 15 Minuten später stehen wir dann mit Sack und Pack und Wagen am Ausgang und können unser Glück kaum fassen. Wir haben tatsächlich alles bekommen und mussten noch nicht einmal rausgekehrt werden.

Nati muss ein bisschen den Kopf einziehen und ich hoffe, dass mich die Leipziger Polizisten einfach ignorieren, aber Jonas ist trotz seines Kombidaseins leider nicht geeignet, um knapp 2m lange Holzteile bequem zu transportieren.

Wir überleben das Ganze bis vor die Tür unserer Unterkunft – auch wenn Natis Kopf ein bisschen gelitten hat. Jetzt aber schnell zur Halle und aufbauen!

„Sag mal… wie machen wir das denn mit dem Einkaufen?“

Ich schlucke. Da war ja was… Nahrung. Und Getränke. Fürs Frühstück. Und die Abende. Und die Messe. Und überhaupt. Zehn hungrige Mäuler, deren heißen Atem ich in meinem Nacken fühlen kann…

Es ist zehn vor halb neun. Wo bekomme ich jetzt noch Lebensmittel in Mengen für eine mittelgroße Garküche her? Gegenüber von der Unterkunft ist zwar ein Rewe, aber um diese Uhrzeit…

„Gehn wir doch noch schnell zum Rewe, der hat bis zehn auf.“

Nati, ich könnte dich knutschen! (Hinweis für alle Nicht-Bayern, bzw. Nicht-Münchner: Bei uns schließen tatsächlich ausnahmslos alle Geschäfte zum 20:00 Uhr und ja, ich finde das auch scheiße.)

 

Mittwoch, 14.03.2012, 20:57 Uhr – Wir gehen jetzt ins Bett oder ich muss jemanden beißen

Wir sind da. An der Halle. Noch nicht in der Halle, aber doch zumindest auf den letzten Metern. Nun stehen wir allerdings vor einem ganz neuen Problem: Wir sind draußen und unsere Parkausweise sind drinnen. Egal, jetzt gebe ich ganz sicher nicht mehr auf!

Also setze ich mein bestes Sonnenscheinlächeln und den patentierten Bambiblick auf, bete, dass der Torwächter ein Mann ist und steuere auf die Einfahrt zu… nur um festzustellen, dass sie ebenso geschlossen ist, wie die vier, die ich danach ansteuere. Natürlich werde ich erst bei der allerletzten Möglichkeit fündig. Was auch sonst.

Ich befürchte allerdings, dass der freundliche Torwächter einfach nur Mitleid mit den beiden gestresst wirkenden, ziemlich abgekämpft aussehenden Frauen in dem illegal vollgestopften Auto hatte und nicht etwa wie beabsichtigt meinem Charme erlegen ist.

Ist mir aber (heute) auch ziemlich egal, drin ist drin. Jonas vor der richtigen Halle geparkt und erst mal die Lage gecheckt, alle Anwesenden ein wenig unkoordiniert begrüßt, Simones Allgemeinzustand überprüft und den Stand in Augenschein genommen. Mir fallen nur zwei Dinge ein: Verdammt, ist das wenig Platz und ich hasse Bücher.

Wir beschäftigen uns eine ganze Weile mit lustigen Dingen wie dem Zusammenbau des Regals (heldenhaft von Janine zusammengeschraubt!) und der Debatte was wie wo hin soll, als mein Handy klingelt und die Teamverstärkung ihre Ankunft ankündigt.

Wann ist es bitte so spät geworden und wo ist der Tag hin? Ich bin müde, nörgelig und kann mich gerade selbst nicht leiden. Immerhin halte ich noch eine gute Stunde durch, bevor ich endgültig streike und alle in Richtung Unterkunft und Betten scheuche. Morgen ist auch noch ein Tag und ausgeschlafen denkt es sich doch einfach viel leichter.

Ich träume von Geranien.

Liebe gegen jede Regel – oder: Wie aus einem englischen Roman ein deutscher wird!

Teil 2: Übersetzung (1) und Coverentwurf

Folgende Textausschnitte zeigen die Problematik, mit der man beim Übersetzen sehr schnell konfrontiert wird: Deutsch ist manchmal eine schwierige Sprache für poetische Texte und viele Dinge können schlicht nicht wörtlich übersetzt werden (siehe Bsp. 3). Dazu kommt, dass Englisch schlicht mehr Wörter hat 🙂

Bsp1: Formulierung

Originaltext:

 

 

Rohübersetzung:

 

 

 

Erstkorrektur:

 

Zweitkorrektur:

 

Endversion:

 

Bei diesem Beispiel war die Übertragung relativ einfach. Zwar muss die englische Satzkonstruktion z.T. umgestellt werden, da wir im Deutschen keine Entsprechung haben. Die Hauptarbeit des Lektorats besteht hierbei, den Text flüssig lesbar und sprachlich angenehm für den Leser zu machen.

 
Bsp. 2: Begrifflichkeiten

Vorbemerkung: Einer der Protagonisten (Elijah) gehört einer Amish-Gemeinde an. Mehr Infos zu den Amish gibt es hier.

Originaltext:

 

 

 

 

Prinzipiell ist dies kein kniffliger Dialog – wäre das nicht die Begrifflichkeit der „English“, die Eli hier benutzt. Zur Erläuterung: Die Amish in den USA sprechen oft ihre eigene Sprache (einen altpfälzischen Dialekt) und bezeichnen alle Nicht-Amish als „English“. Logisch, wenn man die Landessprache der USA bedenkt.

Es gäbe nun theoretisch drei Möglichkeiten, mit diesem Begriff umzugehen:

1. „die Engländer“ – nicht korrekt, da sich die Bezeichnung nicht auf eine geographische Lage, sondern auf die benutzte Sprache bezieht
2. „die English“ – das Belassen des englischen Wortes ist zwar denkbar, klingt im deutschen Text jedoch nicht besonders elegant
2. „die Englischen“ – unsere Wahl, da dies die sprachliche Komponente und den Bezug am Besten wiedergibt

Endversion:

 

 

 

Bsp.3: Wortspiele

Originaltext:

 

 

 

 

Die wohl schwierigste Übersetzungskategorie sind die Wortspiele, da es nur extrem selten ein ähnlich gelagerte Wendung in beiden Sprachen gibt. Wir sind hier also gezwungen, uns ein wenig vom Originaltext wegzubewegen, um den Sinn der Formulierung zu transportieren.

Endversion:

 

 

Coverentstehung

Kommen wir nun noch zu den ersten Schritten zur Entstehung eines Buchcovers. Der ausgewählte Illustrator bekommt von uns natürlich Vorab-Informationen wie Inhalt des Buches, Optik der Protagonisten und Symboliken, die er möglichst verwenden sollte. Daraus entstehen dann zwei bis drei Entwürfe, die uns vorgelegt werden.

Entwurf 1:

 

 

 

 

 

 

 

Entwurf 2:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Lektorat wählt nun den Entwurf, der am Besten geeignet ist und passt diesen in Absprache mit dem Illustrator an. Dabei werden sowohl auf die Optik der Protagonisten, wie auch die Aufteilung des Bildes geachtet. Schließlich müssen auf dem Cover noch Titel und Autor ihren Platz finden. Auf dem Backcover muss genug Raum für Klappentext, Strichcode und Buchinformation sein.
Finaler Entwurf:

Liebe gegen jede Regel – oder: Wie aus einem englischen Roman ein deutscher wird!

Teil 1: Die Vorbereitung

Wie schon vor einiger Zeit angekündigt, möchten wir Euch die Wartezeit auf unseren neuen Roman „Liebe gegen jede Regel“ von Andrew Grey ein bisschen verkürzen, indem wir Euch einen kleinen Einblick in unsere Arbeit geben.

In vier Teilen werden wir in den kommenden Wochen in Ausschnitten zeigen, wie aus dem englischen Originaltext ein deutscher wird, mit welchen Schwierigkeiten man zu kämpfen hat und wie die Gesamtverpackung des Buches entsteht.

Am Anfang war das Wort… oder vielmehr der englische Originaltext. Aber, wie wählt man diesen aus? Und woher kommt der eigentlich?

Wie sich viele schon denken können (oder bereits wissen), beziehen wir unsere Lizenzen von amerikanischen Verlagen. Die Auswahl der einzelnen Romane erfolgt nach dem Sichten vieler, vieler potentiell in Frage kommender Texte nach diversen Kriterien. Einige davon sind z.B. der Aufbau und Erzählstil des Buches/der Serie, Die Charaktergestaltung und –entwicklung, aber auch die Verkaufbarkeit auf dem deutschen Markt.

Wir gehen mit der Auswahl natürlich ein Risiko ein (wie mit jedem Buch), denn auch wir sind keine Hellseher und können oft nur anhand von bisherigen Erfahrungswerten abschätzen, was unser Publikum ansprechend finden könnte. Der Verlag investiert hier ja nicht nur Geld und Zeit in die Übersetzung, Bearbeitung, Coverillustration und den Auflagendruck, sondern vor allem auch in die Lizenzgebühr, die an den Rechteinhaber abgegeben wird.

Schließlich einigt man sich auf bestimmte Titel (meist auch nach Befragung von verschiedenen Testlesern). Das heißt nun aber noch lange nicht, dass man dieses Buch auch in Deutschland veröffentlichen wird, denn nun kommt der schwierigste Teil der Vorarbeit: der Verhandlungen mit dem Lizenzgeber. Mit wem verhandelt wird, kommt auf den Einzelfall an. Mal ist es der amerikanische Verlag selbst, mal eine Agentur, die sowohl in Deutschland, als auch in den USA sitzen kann. Man unterbreitet sein Angebot, über das verhandelt wird und im Idealfall einigt man sich auf einen Mittelweg, der allen Beteiligten ihren Anteil zugesteht.

Jetzt startet für das Lektorat die eigentliche Arbeit: die Suche nach einem Cover-Illustrator, sowie die Beauftragung eines Übersetzers. Der Illustrator wird nach seiner stilistischen Eignung zur Thematik und dem Schreibstil des Buches gewählt.

Bei der Wahl des Übersetzers stößt man sehr schnell auf einige Hindernisse: Es gibt natürlich genug Leute, die ihre Dienste gerne anbieten (vor allem da Englisch die gängigste Fremdsprache ist), aber Übersetzung ist nicht gleich Übersetzung. Zwar ist die reine Übertragung ins Deutsche zunächst nur die Rohform des späteren Textes, aber trotzdem sollten Vokabeln richtig im Zusammenhang verwendet und der Schreibstil des Autors möglichst getreu übernommen werden. Das erleichtert nicht nur die spätere Aufgabe des Lektorats – die Bearbeitung und Glättung des deutschen Textes – sondern spart diesem auch enorm Zeit.

Damit schließen wir das Kapitel „Vorbereitung“ und widmen uns nächste Woche den ersten Schritten auf dem Weg zum Cover und den Tücken der vermeintlich „einfachen“ Übersetzung!

Fragen dürfen natürlich jederzeit gerne gestellt werden! ^^

„Vorsicht Nachsicht“ vorbestellbar!

Ab heute ist es soweit: „Vorsicht Nachsicht“ von A.C. Lelis kann nun in unserem Onlineshop vorbestellt werden. Versendet werden die Bücher ab dem 20.09.2011.

Zum Shop: www.cursed-side.de/shop

Auf Amazon und über den Buchhandel ist der Titel ab 18.09.2011 erhältlich. Wir wünschen allen Leser vorab schon einmal viel Spaß beim Schmökern!

Und hier schon einmal ein paar Eindrücke von „Vorsicht Nachsicht“

Vorsicht Nachsicht Display

Vorsicht Nachsicht

1000 Bücher im Gang zum Lager